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Montag, den 05. Juli 2010 um 18:05 Uhr
+++ Leichtathletik: Goldwochenende für Hella Böker in Kevelaer +++
Ein Foto von den deutschen Seniorenmeisterschaften in Kevelaer, wo Hella Böker (MT 1861 Melsungen) mit zwei Gold- und zwei Silbermedaillen auftrumpfte und zu einer der erfolgreichsten Seniorin dieser Veranstaltung wurde. (Foto: Alwin J. Wagner)Kevelaer (ajw) - Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften, die in Kevelaer ausgetragen wurden, begannen die Meisterschaftswettbewerbe in der Altersklasse der W65 am Freitagmittag mit dem Diskuswerfen. Hella Böker, die als Siegerin bei den Landesmeisterschaften in Fulda mit 28,30 Meter ein vortreffliches Ergebnis erzielte, ging gut vorbereitet in diese Entscheidung. Die haushohe Favoritin, Bärbel Engster von der LG Olympia Dortmund, hatte dennoch aufregende Minuten zu überstehen und um ein Haar wäre es schief gegangen.

Zum Auftakt legte Hella Böker 28,27 Meter vor und kam bis auf drei Zentimeter an ihre Jahresbestweite heran. Bärbel Engster war von diesem Wurf so beeindruckt, dass ihr der Versuch missglückte. Im zweiten Durchgang steigerte sich Hella Böker, die seit Beginn des Jahres wieder für die MT 1861 Melsungen startet, auf 29,17 Meter. Diese Weite schien die vier Jahre jüngere B. Engster derart geschockt zu haben, dass auch ihr zweiter Versuch ungültig gegeben wurde. Im letzten Versuch des Vorkampfes blieb Hella mit 28,86 Meter erneut über ihrer Jahresbestweite, aber in diesem Durchgang änderte sich die Reihenfolge. B. Engster brachte endlich einen jener Würfe heraus, die man schon in den ersten beiden Versuchen von ihr erwartet hatte. Mit 30,12 Meter setzte sie sich an die Spitze des Feldes, musste aber trotzdem um ihren Sieg bangen, denn H. Böker gab sich noch nicht geschlagen. Als der mehrfachen Senioren-Weltmeisterin aus Fuldabrück im fünften Durchgang ein Wurf ungültig gegeben wurde, schien endlich der Weg für Engster frei zu sein. Im sechsten und letzten Durchgang erreichte sie 31,42 m und siegte damit vor Hella Böker, die sich mit 29,17 Meter vor Karin Illgen souverän durchsetzen konnte, mit der sie in den 60er Jahren in Leipzig um die DDR-Meisterschaften duellierte. Die Leipzigerin sicherte sich mit 25,98 Meter die Bronzemedaille.

Sechs Stunden später trat Hella Böker im Speerwerfen der Frauen mit dem Ziel an, ihre Jahresbestweite von Fulda (25,30 m) zu verbessern und sich ebenfalls eine Medaille zu sichern. In diesem Wettbewerb war alles möglich, denn mit Erika Springmann (Phönix Lübeck) und Elke Timm aus Frechen waren zwei weitere Werferinnen am Start, die 25 Meter und mehr werfen konnten. Springmann eröffnete mit 22,17 Meter, Hella Böker kam auf 22,02 Meter und fand sich nach dem ersten Durchgang auf Position drei wieder, weil Elke Timm in der Zwischenzeit mit 22,72 Meter die Führung übernommen hatte. Mit ihrem zweiten Versuch konnten sich Springmann (24,87 m) und Timm (23,00 m) steigern. Hella Böker ließ sich nicht beeindrucken und setzte sich mit 25,44 Meter an die Spitze dieses spannenden Wettkampfes. Mit diesem Wurf übertraf sie ihre Jahresbestweite von Fulda um 14 Zentimeter, doch sollte dies nicht ihr letztes Wort sein. Im dritten Durchgang änderte sich nichts an der Reihenfolge, sodass die Seniorin aus Fuldabrück als Spitzenreiterin im Finale starten konnte. Noch einmal konnte sie sich verbessern und erreichte mit ihrem vierten Versuch 25,60 Meter. E. Timm steigerte sich auf 24,46 Meter, aber Erika Springmann zeigte mit ihrem vierten Versuch, was sie drauf hatte. Mit 27,16 Meter setzte sie sich an die Spitze und gab sie bis zum Ende nicht mehr ab. „Schade, ich hätte heute weiter werfen können, aber mir fehlte beim Abwurf die Technik und auch die Lockerheit", sagte Hella Böker nach diesem Speerwurfwettkampf. So war der Freitag ein Silbertag für die einzige Starterin aus Melsungen.

Einen Tag später traten die besten Hammerwerferinnen Deutschlands in der Altersklasse der W65 an, um ihre Meisterin zu ermitteln. Hella Böker, die in diesem Jahr wegen ihrer schweren Handverletzung noch keinen Wettkampf in dieser Disziplin bestreiten konnte, hatte aber in den letzten beiden Wochen auch für gute Trainingsleistungen in diesem Wettbewerb gesorgt. Im Vorjahr hinter Gudrun Mellmann deutsche Vizemeisterin überraschte sie die Konkurrenz mit einem Super-Auftaktwurf von 32,89 Meter. G. Mellmann schien von diesem Wurf geschockt, denn sie konnte nicht kontern. Nach einem ungültigen Versuch kam sie im zweiten Durchgang auf 29,90 Meter und erreichte im dritten Durchgang 30,34 Meter. In diesem letzten Versuch des Vorkampfes schlug der Hammer von Hella Böker erneut jenseits der 30m-Linie auf und sie jubelte, denn sie wusste in diesem Augenblick, dass sie zum zweiten Mal eine Jahresbestleistung aufgestellt hatte. Im gleichen Augenblick, da sie ihre Trainingsjacke wieder anziehen wollte, wurden auf der Anzeigetafel die Zahlen 3 – 3 – 0 – 3 gezogen. Damit baute sie ihre Führung vor Gudrun Mellmann weiter aus. Im vorletzten Durchgang wurde es noch einmal spannend, denn die Seniorin aus Hamburg verbesserte sich auf 31,85 Meter. Hella zeigte mit ihren 32,81 m, dass sie das Feld souverän beherrschte. Und auch im letzten Durchgang erzielte sie mit 31,82 m noch eine vorzügliche Weite. Mit einem strahlenden, aber dennoch fast ungläubigen Lächeln im Gesicht schritt Hella Böker zur Siegerehrung und nahm ihre erste Goldmedaille in diesem Jahr entgegen.

Am Sonntagnachmittag sollte der bisher letzte Höhepunkt für Hella Böker folgen, denn im Kugelstoßen hatte sie keiner auf der Rechnung. Im Vorjahr hatte sie bei den nationalen Meisterschaften mit 9,35 Meter die Bronzemedaille gewonnen. In diesem Jahr stand ihre Bestleistung bei 8,67 Meter und die letzten Trainingsstöße ließen nicht den Schluss auf eine Weite jenseits der neun Meter zu. „Ich möchte in diesem Jahr wieder Bronze gewinnen", sagte sie nach dem Abschlusstraining in Melsungen, denn mit der Diskuswurfsiegerin Erika Springmann sowie mit Bärbel Engster, der Meisterin im Hammerwerfen, waren zwei Frauen am Start, die weit über neun Meter stoßen konnten. Das Duell um Bronze sollte gegen Karin Illgen stattfinden, die allerdings mit einem ungültigen Versuch ihren Wettbewerb begann. Erika Springmann legte 9,17 Meter vor und übernahm erwartungsgemäß die Führung. Bärbel Engster stieß 8,78 Meter und sicherte sich für kurze Zeit den zweiten Platz. Hella Böker führte im ersten Durchgang einen Standstoß aus und staunte nicht schlecht, als die Kampfrichter 8,81 Meter vom Bandmaß ablasen. Sie hatte damit ihre Jahresbestweite von Fulda bereits aus dem Stand um 14 Zentimeter übertroffen. E. Springmann baute im zweiten Durchgang ihren Vorsprung auf 9,40 Meter aus und niemand zweifelte in Kevalaer an ihrem Sieg. Auch der zweite Rang schien vergeben zu sein, denn die Hammerwurfmeisterin verbesserte sich mit ihrem zweiten Versuch auf 9,01 und steigerte sich im dritten Durchgang auf 9,02 Meter. Hella Böker wusste nach ihrem Standstoß, dass sie ebenfalls in der Lage war, über die 9m-Meter zu stoßen, aber sie musste es mental umsetzen. Im dritten Durchgang konzentrierte sie sich länger als sonst und sie schien sich auch im Ring schneller zu bewegen. Noch bevor die Kugel jenseits der 9m-Marke einschlug, wusste sie, dass sie einen hervorragenden Stoß herausgebracht hatte, denn sie erhob jubelnd die Arme. 9,57 m las der Kampfrichter vom Bandmaß ab – fast einen Meter weiter als ihre Jahresbestweite von den Landesmeisterschaften in Fulda. Das hatte gesessen! Erika Springmann kam nur noch auf 9,17 und 8,92 Meter; Bärbel Engster erreichte gar nur noch 8,89 und 8,83 Meter, und Karin Illgen blieb bei ihren 8,52 Meter hängen. Aus dem Silbertag vom Freitag wurde noch ein Goldwochenende für Hella Böker, die mit zwei Gold- und zwei Silbermedaillen zu den erfolgreichsten Athletinnen dieser deutschen Seniorenmeisterschaft wurde.
 
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