| Dienstag, den 09. März 2010 um 10:11 Uhr |
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+++ Leichtathletik: Karolin Siebert verbessert den 800-Meter-Rekord +++ Frankfurt (red) - Beim nationalen Schüler-Hallensportfest in Frankfurt trumpften mit Karolin Siebert, Robin Hohmann, Tobias Stang und Janina Rohde vier Nachwuchsathleten auf, die die Melsunger Hoffnungen bei den in einer Woche in Hanau bevorstehenden Landeshallenmeisterschaften der Schülerinnen und Schüler tragen. Siebert, die amtierende hessische Schüler-Hallenmeisterin der W14 über 800 Meter, festigte ihre Position als die Nummer eins in Hessen durch einen glanzvollen Rekordlauf über die vier Hallenrunden. Hohmann und Stang untermauerten mit ihren Zeiten auf der 1000-Meter-Strecke ihre Ambitionen auf einen Medaillenplatz, und die B-Schülerin Rohde bestätigte ihre erstklassige Position im Kugelstoßen und hofft am Wochenende auf einen Finalplatz bei den ein Jahr älteren A-Schülerinnen.
Einer der Höhepunkte in der Frankfurter Leichtathletikhalle war sicherlich der 800-Meter-Lauf der Schülerinnen in der Altersklasse W14. Mit Maria Dietz aus Aschaffenburg, Eileen Bischoff aus Zweibrücken und Siebert waren drei Mädchen am Start, die die 800 Meter bereits unter 2:28 Minuten zurückgelegt hatten. Das Melsunger Mittelstrecken-Ass hatte „Order“ mit einer vierunddreißiger Runde zu beginnen und die Hälfte der Strecke in 70 Sekunden zurückzulegen. So war es nicht verwunderlich, dass Siebert gleich vom Start an mächtig auf das Tempo drückte. Die zarte, fast zerbrechlich wirkende, dennoch zähe und in jeder Beziehung leistungsstarke Melsungerin nahm sofort nach dem Startschuss das Zepter in die Hand und bestimmte das Tempo. Sie lief mutig, unbekümmert, dennoch selbstbewusst, ohne Rücksicht auf die favorisierte Dietz aus Aschaffenburg. Auch Bischoff hatte sich in diesem Lauf eine Chance ausgerechnet.
Die 13-jährige Siebert nutzte diesen 800 Meterlauf vor allem als letzten Test in Richtung auf die Landesschüler-Hallenmeisterschaften. Bei einem Aufbaurennen vor vier Wochen lief sie in Hannover 2:32,00 Minuten und deutete damit schon ihre gute Form an. „Wir haben in diesem Winter keine Cross-Saison gemacht, sondern uns ganz gezielt auf die Hallenmeisterschaften vorbereitet“, sagte Siebert, als sie gefragt wurde, warum sie nicht an den Crossläufen teilnahm.
In Frankfurt legte Siebert die erste Runde in 32,5 Sekunden zurück, aber sowohl Dietz als auch Bischoff konnten dieses hohe Tempo mithalten. Als die MT-Athletin die 400-Meter-Marke in 69 Sekunden passierte, lagen die drei Mädchen noch immer dicht beisammen. Nach 500 Metern musste die Schülerin aus Zweibrücken aber abreißen lassen – zu hoch war das Tempo, was Siebert an der Spitze vorlegte. Eine Runde vor Schluss konnte auch die Läuferin aus Unterfranken dem hohen Tempo von Siebert nicht mehr folgen. Die kampfkräftige Schülerin aus Aschaffenburg versuchte den Abstand zu ihrer Konkurrentin aus Melsungen nicht größer werden zu lassen, aber die Entscheidung war längst gefallen. Die 600 Metermarke passierte Siebert nach 1:47,5 Minuten und es schien, dass sie unter dem Beifall der Zuschauer noch einmal auf den letzten 200 Metern ihr Tempo forcieren konnte. Als sie nach diesem beherzten Rennen die Ziellinie überlief, blieb die elektronische Uhr bei 2:23,62 Minuten stehen. Mit dieser Super-Zeit unterbot sie den zwölf Jahre alten Kreis-Hallenrekord von Marlene Kowalik (LG Remsfeld), die am 25.01.1998 in Stadtallendorf 2:26,30 Minuten gelaufen war um fast drei Sekunden. „Eigentlich war diese Rekordverbesserung erst bei den Landes-Hallenmeisterschaften geplant“, sagte Trainer Alwin J. Wagner und hofft nun, dass sein Schützling den 27 Jahre alten Hallenrekord in der W15 beim Finale in Hanau verbessern wird. Am 30. Januar 1983 war Claudia Fröhlich aus Remsfeld 2:23,1 Minuten über diese Strecke gelaufen. Diese Zeit stand über ein Vierteljahrhundert wie ein Fels in der Brandung und hielt jeden Rekordversuch stand. Später sagte Siebert, es sei noch kein optimales Rennen gewesen, da sie die letzten 200 Meter quasi allein gegen die Uhr laufen musste. Auf den zweiten Platz erreichte Dietz nach 2:25,13 Minuten das Ziel. Um den dritten Platz entwickelte sich noch ein hinreißender Kampf, den Amelie Svensson aus Ober-Eschbach in 2:33,93 Minuten vor Bischoff, die ihrem Anfangstempo Tribut zollen musste, entschied.
Bei den Landesmeisterschaften kann Siebert als einzige Schülerin ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen, denn damals gewann die noch Zwölfjährige in der Altersklasse der W14 in 2:26,74 Minuten und ist in diesem Jahr noch einmal in dieser Altersklasse startberechtigt. Aber mit Nadja Strege (2:25 Min.), Madita Alter (2:26 Min.) und Sophia Müllter Dott (Frankfurt) sind drei Schülerinnen am Start, die bei einem taktischen Rennen gute Karten haben.
Im Vorjahr belegten Hohmann (3:00,99 Min.) und Stang (3:02,37 Min.) bei den hessischen Hallenmeisterschaften der Schüler die Plätze drei und vier. Nächste Woche möchten die beiden vielseitigen Jungen bei der Siegerehrung auf dem Podest stehen. Nur Rajeentan Anusan, der Schüler aus Sri Lanka, der für die SSC Hanau-Rodenbach startet, war mit 2:45 Minuten schneller als die beiden Melsunger Athleten. Wie Hohmann und Stang die fünf Hallenrunden in Frankfurt zurücklegten, war schon beeindruckend und sehenswert zugleich. Die beiden legten gleich von Beginn an ein enormes Tempo vor, passierten nach 32 Sekunden die ersten 200 Meter und wurden mit 65 Sekunden bei der 400-MeterMarke gestoppt. Auch bei 600 Metern lag man voll im Zeitplan, denn es wurde auf dem dritten Abschnitt eine 35er Runde gelaufen, sodass Hohmann 1:40 Minuten und Stang 1:42 Minuten vorzuweisen hatten. Es sollte eine Endzeit von 2:50 und 2:52 Minuten angestrebt werden. Die 800-Meter-Marke passierte Hohmann in 2:16 Minuten, Stang lag immer noch nur knapp zwei Sekunden dahinter. Auf den letzten Metern wurde das Tempo dann etwas langsamer, weil nach dem schnellen Anfangstempo die Beine schwerer wurden. Hohmann blieb mit 2:49,31 in diesem Jahr zum ersten Mal unter 2:50 Minuten und Stang verbesserte seine Freiluftbestzeit von 2:52,78 Minuten um eine Zehntelsekunde.
Michael Hiob suchte in Frankfurt die Chance, sich doch noch für die Landeshallenmeisterschaften qualifizieren zu können. Er hinterließ in seinem ersten 1.000-Meter-Lauf in der diesjährigen Hallensaison einen recht guten Eindruck, doch nach 1:31 Minuten für die erste Hälfte der Strecke war der enorme Trainingsrückstand doch nicht mehr zu überbrücken. Zum Schluss wurde Hiob etwas langsamer, blieb aber mit 3:06,34 Minuten als Dritter deutlich vor dem Frankfurter Alexander Lieb (3:08,28 Minuten) sowie Adrian Turuc aus Wiesbaden, der nach 3:11,55 als Fünfter die Ziellinie erreichte. „Schade, dass Michael die Norm von 3:05 Minuten verfehlt hat“, sagte Wagner und hatte trotzdem Grund zur Freude, denn bei der Siegerehrung standen alle drei Melsunger auf dem Siegerpodest.
Für einen weiteren Melsunger Sieg sorgte die B-Schülerin Rohde im Kugelstoßen der W13. Nachdem sie am letzten Wochenende in Dortmund zum ersten Mal mit der Eisenkugel stoßen musste und mit 9,22 Metern etwas hinter den Erwartungen zurückblieb, legte sie in Frankfurt über einen Meter zu und siegte mit 10,34 Metern vor Anna Fehlhaber (Leeheim), die auf 9,05 kam. „Wenn Janina in Hanau 10,50 Meter stößt, hat sie sogar Aussichten auf die Bronzemedaille“, sagte Wagner und traut seinem Schützling sogar wesentlich mehr zu.
Einen guten Eindruck hinterließ auch Sebastian Ludwig, der zum Ende der Hallensaison immer besser in Form kommt. In Frankfurt stellte er mit 9,98 Sekunden über 60 Meter Hürden seine Bestzeit ein und erfüllte damit zum zweiten Mal die Qualifikationsnorm für die Landestitelkämpfe. Noch größer war seine Freude aber über seine Hochsprungleistung, denn zum ersten Mal übersprang der 14-jährige 1,50 m. Bei den Landesmeisterschaften wird Sebastian aber im Stabhochsprung starten.
Im Kugelstoßen der Altersklasse W12 überraschte Selina Langhorst mit einem guten zweiten Platz. Die schnellkräftige Athletin, die bei den Hallenkreismeisterschaften mit 6,62 m den Titel souverän gewinnen konnte, steigerte sich bei ihrem letzten Hallen-Meeting um einen Zentimeter. Im Weitsprung verpasste sie die begehrte Vier-Meter-Marke um zwölf Zentimeter und belegte bei über 40 Starterinnen einen guten Mittelplatz.
Quelle und Fotos: Alwin J. Wagner (MT Melsungen). |






