Felsberg (ajw) - Bei sommerlichen Temperaturen ermittelten am Samstag in Felsberg die besten Nachwuchsleichtathleten des Schwalm-Eder-Kreises ihre Meister. Die wenigen Zuschauer, die in das windanfällige Stadion unter der Burg gekommen waren, sahen zum Teil gute Leistungen.
Allerdings wäre noch mehr Licht in das Felsburg-Stadion gefallen, wenn die Verantwortlichen diese Titelkämpfe nicht in das letzte Ferienwochenende gelegt hätten. Das Fehlen der jungen Athleten des TuSpo Guxhagen, die sich in einem Trainingslager befunden hatten sowie, das einige Schülerinnen und Schüler, die mit ihren Eltern noch in den Osterferien weilten, machte sich stark bemerkbar. MT-Abteilungsleiter Hans-Jörg Engler war mit der Ausbeute der Melsunger Schülerinnen und Schüler recht zufrieden, denn die MT-Nachwuchathleten sicherten sich vier erste, fünf zweite und sechs dritte Plätze. Auch wenn sich die Melsunger Jungen und Mädchen gut geschlagen hatten, so war doch gegenüber dem Vorjahr eine rückläufige Tendenz zu erkennen.
In der Altersklasse der M15 setzte Jan Ullrich ein erstes Zeichen für die Saison, als er zum ersten Mal zu einem 300m-Lauf antrat und seine Sprintausdauer beweisen wollte. In einem mutig und beherzten Rennen, das er sich aber trotzdem sehr gut eingeteilt hatte, setzte er sich souverän mit 43,17 Sekunden vor dem ein Jahr jüngeren Patrick Hollstein (46,10 Sekunden)

und Hendrik Bauernfeind (beide TSV Spangenberg) durch. Obwohl ihm auf der Zielgeraden ein starker Wind ins Gesicht blies, verfehlte er die B-Norm des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, die zum Start für die Landes-Schülermeisterschaften auf dieser Strecke berechtigt, nur um 0,17 Sekunden. Vorher hatte der schnellkräftige Melsunger Gesamtschüler im 100m-Lauf hinter Artur Matvievskij (Treysa) bei einem Gegenwind von 2,4 Meter pro Sekunde in 13,07 Sekunden ebenso den zweiten Platz belegt wie im Weitsprung, wo er als Vizemeister 5,22 Meter (-2,6 m/sec) erzielte. Schließlich holte er sich beim abschließenden Kugelstoßen hinter Ralf Nagel aus Steinatal (12,33 m) und dem Spangenberger Finn wunderlich (10,83 m) mit der persönlichen Bestweite von 10,72 Meter den dritten Rang.
In der Altersklasse der M14 überraschte Tobias Ludwig im Hochsprung den Favoriten Marco Göbel aus Gudensberg, der im Vorjahr mit 1,37 Meter acht Zentimeter höher gesprungen war als Tobias. Der Sohn von Sprungtrainer Ulf Ludwig steigerte sich in diesem spannenden Wettkampf um achtzehn Zentimeter und übersprang sehr sicher 1,47 Meter. M. Göbel scheiterte dreimal an dieser Höhe, die nur einen Zentimeter unter der B-Norm des Verbandes liegt. Während man über seinen Hochsprungsieg noch staunte, war der erste Platz im Speerwerfen der M14 praktisch eingeplant - gehörte doch Tobias Ludwig seit dem Vorjahr zu den besten Speerwerfern seiner Altersklasse in Nordhessen. Auch die Umstellung auf den schwereren Speer bereitete ihm keine Schwierigkeiten. Nachdem er 2010 in Baunatal das 400 g schwere Wurfgerät auf 30,14 m segeln ließ, kam er in Felsberg mit dem 50 P

rozent schwereren Speer auf 27,32 Meter. Damit hatte er fast acht Meter Vorsprung vor Felix Wiegand aus Borken, der mit 19,88 Meter den zweiten Platz belegte.
Auch im Diskuswerfen musste der junge Borkener die Melsunger Vormachtstellung anerkennen, denn Christian Schulz steigerte sich nach einem unsicheren Beginn mit seinem letzten Wurf auf 28,42 Meter und erfüllte damit gleichzeitig die B-Norm für die Landesschülermeisterschaften am 25. Juni in Gelnhausen. Christian Schulz sicherte sich zudem noch im Weitsprung (4,45 m) sowie im Kugelstoßen hinter Jannik Jost (Treysa) und Tobias Ludwig (8,44 m) mit 8,07 m zwei dritte Plätze.
Beim abschließenden 1000m-Lauf verblüffte der 14-jährige Lorenz Funck als Zweiter hinter dem Spangenberger Favoriten Patrick Hollstein (3:13,89 Min.) nach einem glänzend eingeteilten Rennen als Vizemeister mit 3:20,52 Minuten und hofft nun, die fünf Stadionrunden unter sieben Minuten laufen zu können.
Bei den Schülerinnen blieben trotz eines starken Gegenwindes, der bis zu 2,2 Meter pro Sekunde wehte, Karolin Siebert (14,44 Sek.), Jule Schmidtkunz (14,83 Sek.) und Kim Schulze (14,86 Sek.) u

nter 15-Sekunden. Allerdings konnten sie mit diesen Zeiten - wie beim anschließenden Weitsprung, wo nur Karolin Siebert mit 4,09 m als Achte über der 4m-Marke blieb - nicht in die Medaillenränge vordringen.
Beim abschließenden 300m-Lauf liefen Karolin Siebert (45,58 Sekunden) und Jule Schmidtkunz (50,99 Sek.) hinter der überragenden Judith Entzeroth (Spangenberg) auf die Ränge zwei und drei. Karolin Siebert, die eine Woche vorher aus dem Trainingslager aus Blankenburg zurückkam, erfüllte auf dieser Strecke die A-Norm für die Landesschülermeisterschaften, verletzte sich aber auf den letzten Metern, so stark, dass sie weder in ihrer Paradedisziplin über 800 Meter noch in der 4x100m-Staffel an den Start gehen konnte und für einige Wochen ausfallen wird.
Bartosz Podbiol ließ mit 47,70 m aufhorchen - Athleten kritisieren Zeitplan
Der Glanz vergangener Jahre ist zwar erloschen, denn als Vierzehnjähriger war Bartosz Podbiol die bundesdeutsche Eins im Diskuswerfen und im Speerwerfen mit 49,60 Meter die Nummer Vier. Das ist 13 Jahre her, aber bei den Kreismeisterschaften in Felsberg zeigte Bartosz Podbiol, dass er sein Handwerk noch versteht. Mit 47,50 Meter siegte er im Speerwerfen der Männer und sorgte damit für eines der we-nigen Glanzlichter in den Männerwettbewerben. Auch im Kugelstoßen trat der 27-jährige an und war mit 10,94 Meter ebenfalls nicht zu bezwingen. „Wenn ich ein wenig mit dem Speer trainieren würde,

könnte ich auch über die 50 Meter und mehr werfen, aber mir fehlt augenblicklich Zeit und Motivation", sagte der Familienvater, der mit Frau, Kind und Hund in das Felsburg-Stadion gekommen war.
Aber nicht nur Bartosz Podbiol sorgte für gute Leistungen in den Wurfwettbewerben. Auch Lisa Arend, die erst in diesem Jahr mit dem Kugelstoßtraining begonnen hatte, überraschte und steigerte sich als Siegerin in der Frauenklasse auf 9,69 Meter. Sie gewann vor Sarah Jannasek (TSV Remsfeld), die 9,13 Meter erreichte. Der dritte Platz, und damit Bronze, ging wieder an eine Teilnehmerin der MT Melsungen, denn Sophia Köhler verbesserte ihren Hausrekord aus dem Vorjahr von 7,63 m auf 7,86 Meter. „Es ist nur eine Frage der Zeit bis Lisa zum ersten Mal über 10 Meter stößt", sagte Alwin J. Wagner, der ihr zu ihrem ersten Kreismeistertitel lobend auf die Schulter klopfte. Im Diskuswerfen drehte Sarah Jannasek den Spieß um und verwies mit 27,10 Meter die beiden Melsunger Vertreterinnen Köhler (19,72 m) und Arend (17,68 m) auf die Plätze zwei und drei.
Im Sprint über 100 Meter belegte Lisa Arend bei einem Gegenwind von 1,8 m/sec mit 14,46 Sekunden den vierten Platz. Auf Rang sechs kam Sophia Köhler ins Ziel, die trotz des Gegenwindes mit 14,92 Sekunden noch unter 15 Sekunden blieb. Eine ganz schwache Beteiligung gab es in den Sprintwettbewerben der Männer. Mit 12,98 Sekunden siegte der Spangenberger Philipp Hillmann vor Tilmann Schulz aus Melsungen, der für diese Strecke 13,10 Sekunden benötigte. Mit diesen Zeiten hätte man in der B-Jugendklasse nur die Plätze

sechs bzw. acht belegt. Tillmann Schulz siegte in seinem ersten 200 Meterlauf in 27,14 Sekunden und sicherte damit einen weiteren Erfolg für die Melsunger Männer.
Bei den Senioren überzeugte einmal mehr Norbert Weinreich. Der mehrfache hessische Seniorenmeister schleuderte die Scheibe mit seinen vier gültigen Versuchen jedes Mal über die 35m-Marke und gewann in der Altersklasse der M40 mit 36,08 Meter. Die nordhessischen Meisterschaften hatte er am 10. April im Kasseler Auestadion mit 35,91 Meter gewonnen. Jetzt können die Landesmeisterschaften kommen ...
Bei den Seniorinnen war Hella Böker wieder einmal nicht zu bezwingen, aber zumindest im Kugelstoßen hatte sie eine bessere Leistung erwartet. Mit 8,87 Meter hatte die mehrfache deutsche Seniorenmeisterin vor ihrer Dauerkonkurrentin Irma Kirchhofs (Tuspo Borken) über zwei Meter Vorsprung „aber neun Meter sollten es schon sein", sagte sie nach dem Wettkampf.
Im Diskuswerfen kam niemand weiter als die ehemalige weltklasse Diskuswerferin aus Fuldabrück. Selbst die Jugendlichen und Frauen, die 50 Jahre jünger sind, hatten ihren ersten Wurf von 27,14 Metern nichts entgegenzusetzen.
„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen", sagte Alwin J. Wagner und übertrug die-ses geflügelte Wort auf ihre diesjährigen Diskuswettkämpfe. Bei den deutschen Winterwurf-Seniorenmeisterschaften in Erfurt belegte sie mit 25,59 Meter den zweiten Platz.

Sechs Wochen später verbesserte sie sich beim Werfer-Mehrkampf in Borken auf 27,10 Meter und nun legte sie in Felsberg wieder vier Zentimeter zu. Damit steht der Kreisrekord in der W70 bei 27,14 Meter – es fehlen nur noch 38 Zentimeter zum Hessenrekord von Jutta Schäfer, die im Jahr 2002 in Weinstadt 27,42 Meter geworfen hatte. „Ich hoffe, dass zum Jahreshöhepunkt die Scheibe über die 30 Metermarke fliegt", sagte Hella Böker optimistisch, packte ihre Sachen und verzichtete auf das Speerwerfen, weil der Zeitplan nicht athletenfreundlich ausgearbeitet war. Auch Norbert Weinreich, der gerne im Kugelstoßen gestartet wäre, schimpfte auf den Zeitplan, denn zwischen dem Diskuswerfen um elf Uhr und dem Kugelstoßen sollte er über sechs Stunden warten ...
Fotos: Alwin J. Wagner