Stadtallendorf - Mit drei Siegen, einen zweiten sowie einen dritten Platz kehrten die Melsunger Leichtathleten von den offenen Kreis-Hallenmeisterschaften der Kreise Marburg-Biedenkopf aus Stadtallendorf zurück.

Für die herausragende Leistung aus Melsunger Sicht sorgte die 17-jährige Maybritt Böttcher, die im 3000m-Lauf der Frauen den 32 Jahre alten Methusalem-Jugendrekord für den Schwalm-Eder-Kreis um fast acht Sekunden korrigierte. Erst Mitte Oktober verlagerte die Melsunger Geschwister-Scholl-Schülerin ihr Maybritt Böttcher löschte in Stadtallendorf einen weiteren Methusalemrekord für den Schwalm-Eder-Kreis aus.sportliches Augenmerk auf die längeren Laufstrecken und war damit recht erfolgreich. Bei den deutschen 10km-Straßenlaufmeisterschaften überraschte sie mit dem neunten Platz. Zwei Wochen später holte sie sich bei den Landesmeisterschaften in Darmstadt über dieselbe Distanz den Titel mit der neuen Rekordzeit von 39:28 Minuten. Damit gehörte sie im Vorjahr in Deutschland zu den Top-Ten in der U18.

Nach ihrem guten Crosslauf und einem hoffnungsvollen Einstieg in die Hallensaison scheint Maybritt Böttcher auf allen Laufstrecken ab 800 Meter zu Hause zu sein. "Auf der Mittel- und Langstrecke fühle ich mich auf der Bahn und in der Halle sehr wohl, aber auch der Straßen- und Crosslauf bereitet mir sehr viel Freude", strahlte die 17-Jährige.

In der nur 187m-langen Herrenwaldhalle in Stadtallendorf durfte Maybritt ihr 3000m-Hallendebüt feiern. Alwin Wagner hatte für die 16 Runden eine Endzeit von 10:56 Minuten geplant und ihr dafür einen Marschplan mit 41er-Rundenzeiten geschneidert, an den sie sich mühelos halten konnte. Als sie in die 15. Runde lief, war sie der Meinung, dass es die Schlussrunde sei. Sie setzte zu einem fulminanten Endspurt an und legte diese Runde in 36 Sekunden zurück. Als sie erschöpft die Ziellinie erreicht hatte, rief ihr der Bahnrichter „noch eine Runde“ zu. Maybritt musste wohl oder übel noch 187 Meter dranhängen. Dafür mobilisierte sie ihre letzten Reserven und kam nach 10:57,22 Minuten völlig ausgepowert ins Ziel. Mit dieser Zeit unterbot sie nicht nur ihren persönlichen Rekord vom 09.10.2021 in Aschaffenburg, als mit 11:06,76 Minuten notiert wurde, mit dieser Zeit ist sie auch die erste Jugendliche im Schwalm-Eder-Kreis, die die 3000 Meter in der Halle unter elf Minuten zurücklegte.

Vor fast 32 Jahren, am 18.02.1990 lief Sandra Hoffmann (Schwalmstadt) ebenfalls in Stadtallendorf die 3000 Meter in 11.05,09 Minuten. Diese Bestleistung überstand in den letzten drei Jahrzehnten allen Angriffen. Dann kam Maybritt Böttcher, die noch zwei Jahre in dieser Altersklasse startberechtigt ist. Vielleicht kann sie am kommenden Wochenende bei den Landesmeisterschaften der Frauen in Frankfurt in ihrem zweiten 3000m-Lauf in der Halle ihre Bestzeit weiter nach unten drücken. Nach ihrem Auftritt in Stadtallendorf scheint dieses Vorhaben keine Utopie mehr zu sein.

Immer besser in Form kommt auch Sprinterin Sophia Hog. Sie startete mit einer Bestzeit von 7,97 Sekunden in die Hallensaison 2022. Beim Hallenmeeting in Dortmund sicherte sie sich am 18. Dezember im 60m-B-Finale der Frauen mit 7,88 Sekunden den ersten Platz. In Stadtallendorf überzeugte sie bereits im Vorlauf mit 7,90 und stürmte im Finale als Zweite hinter der vorzüglich laufenden Antonia Schrimpf (Fulda, 7,60) mit 7,85 Sekunden über die Ziellinie. Wenn Sophia am Vivian Groppe, Leonard Ebert und Sophia Hog nach ihrem erfolgreichen Auftreten in Stadtallendorf.Wochenende bei den hessischen Hallenmeisterschaften im Vorlauf gut aus dem Startblock in die Beschleunigungsphase kommt, sollte sie mit einer Zeit unter 7,80 Sekunden das Finale der Frauen erreichen.

Auch Leonard Ebert hatte Grund zur Freude, denn der 26-jährige Polizeibeamte belegte im 200m-Finale mit 25,63 Sekunden den dritten Platz und qualifizierte sich nach 7,95 Sekunden auch für das 60m-Finale der Männer, wo er mit 8,06 Sekunden als Vierter über den Zielstrich lief.

Obwohl Vivian Groppe in Stadtallendorf deutlich hinter ihren Hallenbestzeiten blieb, war die deutsche U18-Meisterin mit ihrem Auftritt zufrieden. In der letzten Ferienwoche hatte sie sich intensiven Trainingeinheiten unterzogen und wirkte nach zahlreichen Läufen in Verbindung mit Kraft- und Sprungtraining, abgekämpft, entkräftet und geschafft. Dennoch qualifizierte sie sich nach 8,01 Sekunden als Vorlaufsiegerin für das 60m-Finale der U20, das sie 60 Minuten später in 8,03 Sekunden ebenfalls erfolgreich beendete. Über 200 Meter machten sich ihre schweren Beine schon auf der ersten Hälfte der Strecke bemerkbar. Aber mit 26,41 Sekunden setzte sie sich dennoch deutlich vor Anna Jung (Alsfeld, 28,39) durch und holte sich den zweiten Sieg an diesem Nachmittag.

Am Sonntag fand die anstrengende und harte Trainingswoche beim Hallenmeeting in Frankfurt ihren Abschluss. Vivian gewann eindrucksvoll ihren 60m-Vorlauf und qualifizierte sich nach 7,92 Sekunden für das Finale, wo sie hinter Sila Sönmezciecek (Viernheim, 7,70) mit 7,79 Sekunden vor Johanna Rier (Wattenscheid, 7,82) überraschend den zweiten Platz belegte.

Obwohl sie eine Stunde später das 200m-Finale mit 25,75 Sekunden klar vor Anna Zittel (Karlsruhe, 26,17) beherrschte, merkte man ihr die anstrengende Trainingswoche an. „Wir haben in der letzten Ferienwoche nach dem Prinzip der Superkompensation trainiert. Nach Ansicht meines Trainers wird mein Körper nach einer ausreichenden Erholungsphase die ausgelösten Wiederherstellungsvorgänge verbessern und meine Leistungsfähigkeit über das Ausgangsniveau erhöhen. Aufgrund der Vorjahreserfolge bin ich mir sicher, dass ich in zwei Wochen in der Lage sein werde, 60m-Zeiten um 7,70 Sekunden zu laufen und die Hallenrunde unter 25,30 zurückzulegen“, sagte Vivian nach ihrem erfolgreichen Abschneiden in Frankfurt und blickt zuversichtlich in die Zukunft.


Text und Fotos: Alwin J. Wagner